F03Sprachliche Statusdifferenzierung in polynesischen Gesellschaften

Das Projekt unter der Leitung von Svenja Völkel erforscht die sprachliche Humandifferenzierung nach Status in den stratifizierten Gesellschaften Polynesiens ausgehend von der zentralen Unterscheidung der „Häuptlinge“ (‘eiki im Tonganischen, ariki im Māori) von der gemeinen Bevölkerung.

Foto: Svenja Völkel
Foto: Svenja Völkel

Status als hoch relevante Unterscheidungsdimension in Polynesien

Die komplexen hierarchischen Strukturen auf gesellschaftlicher sowie familiärer Ebene leiten sich primär aus der Genealogie ab und gehen oftmals mit extremen Formen der Distanzierung (Tabus) einher. Statusunterschiede werden in vielen Sinnschichten hergestellt und sichtbar gemacht, u.a. Sitzanordnungen, Geschenktausch-Praktiken, Kleidung und auch Sprache.

 

Sprachliche Statusdifferenzierung

Das Projekt untersucht, mit welchen referenziellen und indexikalischen Mitteln (wie Namen, Verwandtschaftstermini, Deskriptiva, Personalpronomen, statusdifferenzierenden Sprechweisen und Honorifik-Registern) Statusasymmetrien und Taburelationen sprachlich prozessiert werden. Zudem ist von Interesse, inwieweit sprachliche Statusdifferenzierung mit nicht-sprachlichen Unterscheidungspraktiken interagiert (z.B. physische und sprachliche Kontaktmeidung, räumliche Anordnung und Adressierungsfolge).

 

Entwicklungen in verschiedenen polynesischen Sprachen

Mit den Teilstudien zum Tonganischen (westpolynesische Sprache mit Honorifikregistern) und dem Māori (ostpolynesischen Sprache ohne Honorifik-Register) untersucht das Projekt statusdifferenzierende Sprache in unterschiedlich stark stratifizierten Kontexten und vor dem Hintergrund divergierender sozialer Entwicklungen und Kolonialgeschichten. Der synchrone Vergleich mit weiteren polynesischen Sprachen (Uvean, Niuean, Samoanisch, Tahitianisch) gibt zudem Einblicke in diachrone Entwicklungen des Auf- und Abbaus positionaler Unterscheidungen in Polynesien.