E02Humandifferenzierungen des Publikums
In- und Exklusion durch Praktiken der Adressierung und Segregation im Gegenwartstheater
Das Teilprojekt untersucht einen kulturellen Wandel im Gegenwartstheater bezüglich der Humandifferenzierung des Publikums. Es betrachtet das Theaterpublikum als (Teil-)Öffentlichkeit, die sich über Versammlung konstituiert. Untersucht wird, wie solche Versammlungen im Gegenwartstheater adressiert, differenziert und segregiert werden. Erforscht werden identitätsbezogene Publikumsansprachen in der Öffentlichkeitsarbeit, dramaturgische und infrastrukturelle Maßnahmen für mehr Zugänglichkeit und Barrierefreiheit sowie Debatten über diskriminierungssensible Kommunikation (z. B. Content Notes, Trigger-Warnungen, Safer Spaces).
Hypothese des Projekts ist, dass Theaterhäuser und -festivals heute mit einer ausdifferenzierten Öffentlichkeitsarbeit und neuen Dramaturgies of Access weniger ein Publikum als vielmehr spezifisch diversifizierte Publika ansprechen. Gefragt wird erstens, welche Communities in der Öffentlichkeitsarbeit markiert und für den Besuch von Veranstaltungen gezielt adressiert werden. Zweitens wird untersucht, mit welchen Un/Gleichheits-Konstruktionen Praktiken der Publikumsdifferenzierung operieren und welche Dynamiken der In- und Exklusion damit verbunden sind. Und drittens wird nach den Institutionalisierungen und Verdauerungen von Praktiken der Publikumsdifferenzierung gefragt: Welche erprobten situierten Praktiken münden in einen Wandel digitaler und materieller Infrastrukturen wie Webseiten, Saalumbauten oder Umgestaltungen des Foyers?
Methodisch operiert das Projekt mit ethnografischen Verfahren der teilnehmenden Beobachtung, Interviews sowie Aufführungs-, Dokumenten- und Infrastrukturanalysen.
