Dr. Elena Backhausen

Wissenschaftliche Mitarbeiterin | Körper und Performances

Wissenschaftliche Selbstkategorisierungen: Wo ordne ich mich ein?

Im Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Dramaturgie an den Standorten Mainz, Helsinki, Frankfurt am Main und Stockholm entwickelte sich meine wissenschaftliche Prägung aus geistes- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven. Ein ausgeprägtes Interesse galt dabei stets der Theoriebildung. Insbesondere die Zusammenführung von theaterwissenschaftlichen Gegenständen mit philosophischen Fragestellungen erachte ich im Sinne der Performance Philosophy als erkenntnisleitend. Meine wissenschaftliche Sozialisation ist maßgeblich durch Ansätze der Kritischen Theorie und der Dekonstruktion geprägt, die mein Denken bis heute begleiten.

Selbstnarrationen: Was macht mich aus?

Ich lese, schreibe, rede, argumentiere und grübel gerne. Ich lasse ungern vorschnell los, bleibe hartnäckig und bohre nach, wenn Gedankenkonstrukte zu kippen beginnen. Ich bin neugierig und möchte hinter den Vorhang schauen. Zugleich lasse ich mich gerne vom Schein des Theaters verzaubern. Dass ich diesen Leidenschaften sowie meiner intrinsischen Motivation, skeptisch zu bleiben, auch beruflich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Theaterwissenschaft nachgehen darf, erscheint mir wie unverschämtes Glück.

 

Forschungsdifferenzierung

Wozu forsche ich aktuell?

In der zweiten Phase des SFB forsche ich im Projekt Humandifferenzierungen des Publikums. In- und Exklusion durch Praktiken der Adressierung und Segregation im Gegenwartstheater zu der Frage, auf welche Weise Publika der deutschsprachigen Theaterlandschaft durch Adressierungs- und Segregationspraktiken differenziert, inkludiert, gruppiert und situativ zu Gemeinschaften formiert werden. Dabei interessiert mich insbesondere, welche impliziten Annahmen über „das Publikum“ sowie über die Voraussetzungen und Notwendigkeiten der Teilhabe am Theater gegenwärtig produziert, verfestigt, aufgelöst oder infrage gestellt werden. Welche Kategorien von Menschen imaginieren Theaterschaffende, Dramaturg:innen, Intendant:innen und Öffentlichkeitsmitarbeiter:innen von Theaterfestivals, wenn sie Spielpläne, Programmhefte, Websites und Theaterräume konzipieren und gestalten? 

Wozu habe ich geforscht?

In der ersten Phase des SFB habe ich die Praktiken des Sehbehindertensports erforscht. Meine Dissertation widmete sich der Frage, wie Un:abhängigkeit performativ als soziale Konstruktion hervorgebracht wird. Das ethnografische Arbeiten hat mich mit soziologischen Forschungsperspektiven in Berührung gebracht, mein Methodenrepertoire erweitert und zugleich gezeigt, wie relevant theaterwissenschaftliche Ansätze für das Verständnis komplexer Aufführungsformen sind – und wie sich aus ihrer Analyse theoretische Perspektiven über den konkreten Gegenstand hinaus entwickeln lassen. Denn abseits einer Analyse der Praktiken des Sehbehindertensports weise ich Un:abhängigkeit als humandifferenzierende Kategorie aus und formuliere Ansätze für eine Theorie von Un:abhängigkeit als relationale Performanz.

Was habe ich veröffentlicht?

Ich bin unter anderem Co-Herausgeberin der beiden internationalen Sammelbände Out Of Time? Temporality in Disability Performance (Routledge 2023) sowie Independence and Collectivity. Configurations of Dis/ability Performance. (Routledge i.E.). Meine Dissertation Performanzen der Un:abhängigkeit. Relationale und interdependente Praktiken im Sehbehindertensport erscheint im Frühjahr 2027 im Neofelis Verlag.
 

Foto: Stephanie Füssenich