Dr. Svenja Völkel
Projektleiterin | Distinktionszonen
Wozu forsche ich?
Meine Forschungsinteressen bewegen sich im Bereich der Sprachtypologie, der anthropologischen Linguistik/linguistischen Anthropologie und der kognitiven Linguistik. Der regionale Fokus meiner Forschung liegt dabei auf Ozeanien mit dem Schwerpunkt Polynesien, wo ich seit 2001 zu Themen wie Höflichkeitsformen/Honorifika, Verwandtschaftsterminologie, Raumdeixis, Possessivkonstruktionen, Theory of Mind, Wortklassen und Personenamen forsche. Insgesamt habe ich mehr als 24 Monate im Pazifikraum verbracht – neben kürzeren Aufenthalten in Australien, Fidschi, Samoa, Hawaii und auf den Cook Inseln die meiste Zeit davon mit Feldforschungen in Tonga und Neuseeland.
Was ist mein Zugang zur Humandifferenzierung?
Geleitet von der Frage nach dem Zusammenspiel von Sprache, Kultur und Kognition, widme ich mich insbesondere der Erforschung sprachlicher Formen und Praktiken der Personenreferenz im Kontext kulturspezifischer Humankategorien und sozialer Konzepte. Welche sprachspezifischen Unterscheidungen (z.B. nach Geschlecht oder Status) haben sich in linguistischen Strukturen (vom Lexikon/Onomastikon bis in die Grammatik) und im Sprachgebrauch herausgebildet? Welche kulturellen Vorstellungen sozialer Ordnung werden dabei versprachlicht? Und wie werden divergierende Kategorien und Konzepte im Sprachkontakt verhandelt?
Was ist mein Beitrag im SFB?
Im SFB leite ich das Projekt F03 „Sprachliche Statusdifferenzierung in polynesischen Gesellschaften“ und den Arbeitsbereich F „Distinktionszonen“. Bisher wurden nur vereinzelte Aspekte der sprachlichen Statusdifferenzierung in polynesischen Sprachen untersucht (v.a. Honorifika in einzelnen westpolynesischen Sprachen). Das Forschungsprojekt soll umfassendere Einblicke darüber geben, mit welchen referenziellen und indexikalischen Formen in polynesischen Sprachen stratifikatorische Unterscheidungen bis in die Distinktionszonen des Humanen (v.a. ins Transzendente und Animalische) prozessiert werden und wo sich sprachliche Formen der Distanzierung (verbale Tabus) auf- und abgebaut haben.
Wie ist mein Werdegang?
Studiert habe ich in Mainz Linguistik (Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft), Ethnologie (regionaler Fokus: Afrika) und Publizistik. Dort habe ich 2007 auch in der Linguistik mit einer anthropologisch-linguistischen Arbeit zu Sozialstruktur, Raum und Besitz im Tonganischen promoviert. Mein zweites Standbein war dabei in der Ethnologie in Heidelberg (regionaler Fokus: Ozeanien), wo ich auch unterrichtet und im Projekt „Person, space and memory in the contemporary Pacific“ geforscht habe. Seit 2006 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sprachtypologie der JGU Mainz.
Foto: Sina Völkel