E05Europäische Geflüchtete zwischen Südasien, Nahost und Europa

Räumliche Selbst- und Fremdzuordnungen im 20. Jahrhundert

Mehr als 1,5 Million Menschen waren aufgrund von Verfolgung und Weltkrieg gezwungen, in den 1930er und frühen 1940er Jahren Europa zu verlassen.

“Where shall we go from here?” – European Crossroads, Daily Express, 1938. © Alamy Pictures

Sie suchten Schutz, Hilfe und Öffentlichkeit an unterschiedlichen Orten – auch in Regionen, die unter kolonialer Herrschaft standen. Dazu gehörten die britischen Mandatsgebiete im Nahen Osten und Britisch-Indien. Nach 1947/48 blieb ein Teil dieser Menschen in den neu entstehenden Staaten Indien, Pakistan und Israel, während andere nach Europa (v.a. Großbritannien, Ost- und Westdeutschland) zurückkehrten oder in andere Teile der Welt weiterzogen.

Lea Grundig, Der Hafen von Haifa vom Flüchtlingsschiff „Patria“ aus gesehen, 1940, Feder, Tinte, 26,8 x 35,7 cm Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung, Inventar-Nr.: Lea Grundig 2448 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
  • Wie verhandelten die Menschen ihren Status auf der Flucht in den Nahen Osten oder nach Südasien?
  • Wie positionierten sich ehemals aus Europa Geflüchtete zu den Konflikten im Nahen Osten, in Südasien und in Europa?
  • Wie prägten koloniale und postkoloniale Kontexte den Transfer von Humankategorien (z.B. „European refugee“, „Sh’erit ha-Pletah“, „Emigrant“, „Opfer des Faschismus“)? 
Paul Arnsberg Gedenkstele, Paul-Arnsberg-Platz, Frankfurt am Main, 2026. © Julia Bezold
Ellen Auerbach, Reisepass Nr. 192R./643/33, ausgestellt am 13. Juli 1933, gültig bis 12. Juli 1938 © Akademie der Künste, Berlin, Ellen-Auerbach-Archiv, Signatur: Auerbach 277
Charles Petras, Behind Barbed Wire, in: Man Athirst, Dehradun um 1940, Hilde Holger Archive © 2001 Primavera Boman-Behram. All Rights Reserved.

Ausgehend von den Biographien europäischer Geflüchteter eröffnet das Projekt neue Perspektiven auf das umstrittene Verhältnis zwischen dem NS-Regime im besetzten Europa und der kolonialen Herrschaft in Südasien und Nahost. Es fächert die vielfältigen Handlungskompetenzen von Menschen, die erzwungen mobil waren, in wechselnden kolonialen und postkolonialen Kontexten auf. Neben dem globalen Transfer von Personenkategorien arbeiten wir lokale Besonderheiten bei der Unterscheidung von Menschen im Kontext von religiösen und wirtschaftlichen Konflikten um die Teilung und Umverteilung von Land, mobilen Gütern und Menschen heraus. So entwickeln wir eine europäische Gesellschaftsgeschichte „von unten“ weiter.