Luisa Schwestka M.Ed.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin | Distinktionszonen

Ich habe 2025 meinen Master in Deutsch und Französisch an der JGU Mainz abgeschlossen. Im Studium habe ich ein großes Interesse an der Sprachwissenschaft entwickelt und meine Abschlussarbeit zur Numeruskongruenz der pluralischen Ländernamen Niederlande und USA geschrieben. Dabei habe ich auf Grundlage von Korpora und Akzeptanztests Schwankungen wie z.B. „Die Niederlande hat/haben zugestimmt“ in Sprachproduktion und -rezeption untersucht. Nach meinem Abschluss war ich zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft tätig und habe ein Praktikum in der Wörterbuchredaktion des Dudenverlags absolviert. Neben der Onomastik gehören lexikalischer und Wortbildungswandel zu meinen Forschungsinteressen.

Im SFB Humandifferenzierung promoviere ich im Teilprojekt F05 „Von Unpersonen und menschlichen Mängelexemplaren. Zur Versprachlichung von Kindheit und Behinderung“ und bin für die Teilstudie zur Kindheit verantwortlich. Dabei beschäftige ich mich mit der sprachlichen Unterscheidung zwischen Kindern und Erwachsenen, u.a. mit den asymmetrischen Strukturen, die zwischen diesen beiden Gruppen etabliert werden. Kindern werden seit jeher als unvollständige und defizitäre Wesen betrachtet, die erst zu „richtigen Menschen“ werden müssen. Sie haben keine Handlungsmacht, noch keinen Personenstatus, sind in jeder Hinsicht subordiniert und hängen von den Erwachsenen ab. Sie müssen also zunächst zum vollgültigen Gesellschaftsmitglied „geformt“ werden.  

Folgenden Fragen gehe ich nach:

  • Inwiefern gelten Kinder als Unpersonen, die trotz ihres ontologischen Menschenstatus an die Außenränder des Humanen verschoben werden?
  • Welche Konzeptionen von Kindheit existieren in historischen Quellen wie Anstandsbüchern, Lexika und Wörterbüchern und wie haben sich diese im Laufe der Zeit gewandelt?
  • Welchen Bereichen an den Humanaußengrenzen werden Kinder sprachlich angenähert, um sie von prototypischen Erwachsenen zu unterscheiden?
  • Welche Eigenschaften werden Kindern im Vergleich zu Erwachsenen zugeschrieben oder abgesprochen und wie schlagen sich diese in (ggf. wertender) Sprache nieder?

Über korpuslinguistische und kulturanalytische Zugänge untersuche ich so die asymmetrische Differenzierung von Kindern und Erwachsenen in den Bereichen Lexik, Wortbildung und Onomastik. 

 

Foto: Privat